Sonderausstellung „Bonbondosen der letzten 100 Jahre“
(Leihgaben von Georg Sandten)
Am Sonntag, den 20. Dezember ist die Eröffnung der Wechselausstellung. Dazu werden süße Bonbons - so wie früher - einzeln ausgegeben und der Geschmack der Kamelle, der Hustelinchen oder anderer altbekannter Bonbons kann wieder aufgefrischt werden.
Süße Geschichte – Bonbondosen der letzten 100 Jahre
Es begann alles ganz harmlos als Museumsmitglied Georg Sandten vor fast 30 Jahren wieder einmal seiner Lieblings-Freizeitbeschäftigung „Jagen und Sammeln“ nachging. Ort des Geschehens war dieses Mal der Flohmarkt in und um die Kasseler Kurhessenhalle, – zu einer Zeit, lange bevor Trödelmärkte sich explosionsartig vermehren und die Zahl aller „Fundstücke“ ebenso abnehmen sollte.Inmitten von anderem unnütz gewordenen Kram stand eine Blechdose der Marke Villosa-Säuerlinge in schlichtem ansprechenden Art Deco Stil. Als Ergänzung des wohl bekanntesten Motivs auf Bonbondosen, dem Villosa Hustelinchen-Schneemann in blau-rot wechselte die Dose für 2 DM den Besitzer. Damit machte sie die Verkäuferin nicht wesentlich reicher, sorgte aber für einen „Hingucker“ in der Küche des neuen Besitzers und für den Anstieg seines Sammelfiebers. Flohmärkte wurden in Zukunft auf der Schatzsuche mit einem besonderen Blick für die runden oder eckigen Büchsen aus der Zeit der Tante Emma-Läden durchsucht. In diesen standen sie oft Jahrzehnte in einem Regal hinter dem Tresen und gaben mit ihren fantasie- und verheißungsvollen Motiven einen Vorgeschmack auf zuckersüße Genüsse. Fast alle Exponate haben ein Fassungsvermögen von fünf Kilogramm. Ihr Inhalt wurde zu Pfennigpreisen stückweise verkauft und konnte immer wieder aufgefüllt werden. Die einzelnen Bonbons packte der Verkäufer oft in kleine Papiertütchen, welche das gleiche Motiv wie die Vorratsdose zierte.
Die ältesten Stücke der Sammlung haben bereits über 100 Jahre auf dem manchmal leicht angerosteten Deckel, sind teilweise geprägt und manchmal handgelötet. Gemeinsam mit den jüngeren Dosen aus den 1960er Jahren haben sie oft wunderschöne Gestaltungen in Schrift und Bild, welche viel über die Reklamekunst der Vergangenheit und sich wandelnde Stile und Moden aussagen.
Auffallend die Vielfalt an „Zuckerwarenfabriken“, welche es in den vergangenen etwa 100 Jahren in Deutschland gegeben hat.
Wie groß mag da erst die Geschmacksvielfalt gewesen sein, lange bevor die Aromaindustrie uns mit ihren Erzeugnissen aus der Retorte beglückte? Die Mehrzahl der Bonbon- und Zuckerwarenhersteller ist mittlerweile längst Geschichte. Was bleibt, sind unter anderem die großen Blechdosen als ehemalige Verpackung ihrer Produkte.
Die Firma Villosa aus Hagen in Westfalen hatte neben den bekannten Hustelinchen-Dosen schöne Verpackungen mit Frucht-Motiven auf dem Markt. Bei der Firma Storck versprach nicht nur das bekannte Männchen zuckersüße Karamellen-Genuss, daneben ermahnte auch der Husten-Doktor an die Einnahme der Bonbons dieser Firma zur Wiederherstellung körperlichen Wohlbefindens.
Eine Vielzahl verschiedenster interessanter Motive alter Reklamekunst bieten auch die Dosen der Firma Emil Hohberger, München. Die Palette reicht von der gestrengen Schwester Maria bis zum Blockmalz-Schneemann.
Ein Höhepunkt der Sammlung sind zweifelsohne die Motivdosen der Firma Henze, die ihren Sitz in Eilenburg bei Leipzig hatte. Milch-Bienen, Milch-Erdbeeren und andere lassen das Herz eines jeden Freundes alter Reklame höher schlagen.
Und auf welchem Dachboden steht eigentlich noch die Dose mit dem Nusskrokant-Zungen-Mädchen, fragt sich der Sammler.
So, wie die Tante-Emma-Läden ab dem Ende der 1960er Jahre verschwanden, verschwanden auch die großen Bonbondosen aus den Geschäften, und mit ihnen auch die Möglichkeit, Bonbons einzeln zu kaufen – beim heutigen Konsum an Süßwaren würde das wahrscheinlich auch kaum jemand noch tun.  
Georg Sandtens Dosen-Sammelfieber ist im Lauf der Jahre jedenfalls nie ganz abgeklungen – und es würde wieder sprunghaft ansteigen, wenn jemand alte Reklame, besonders aus dem Bereich Bonbons/Schokolade anzubieten hätte.
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