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JEP (Jouet en Paris) Drucken
1930 entwickelte JEP die Fernlenkung
PKW1 

Beim französischen Hersteller JEP (Jouet en Paris) erkannte man schon sehr früh, dass man Spielzeugautos für jeden Geldbeutel anbieten muss. Die großen JEP-Modelle »Rolls Royce«, »Hispano Suiza«, »Delage« und »Delahaye« waren für die Kinderzimmer des Adels und der bemittelten Oberschicht bestimmt. Diese mehr als 45 cm langen Modelle waren bereits Ende der 1920er Jahre mit aufwendiger Technik ausgestattet. Noch vor dem Zusammenschluss der Automobilhersteller Delage und Delahaye im Jahre 1935 fusionierte man beim Spielwarenhersteller JEP auf ganz anderer Ebene: Aus einem handelsüblichen Delage-Rennwagen wurde eine Delahaye-Variante. Dabei wurde das Fahrgestell des Delage-Modells mit den für Delahaye charakteristischen tropfenförmigen Fahrwerksverkleidungen ausgestattet, die vermutlich auf Entwürfe von Joseph Figoni und Ovidio Falaschi zurückzuführen sind. Die Designer Figoni und Falaschi waren in den 1930er Jahren für die von ihnen kreierten langen, fließenden Karosserieformen und für in die Karosserie eingeschlossene Räder bekannt.

Eine weitere Veränderung gegenüber dem Delage erfolgte durch den Austausch des geradlinigen Delage-Steinschutzgitters (Kühlergrill) gegen die ovale Version des Dalahaye. Um den „neuen“ Delahaye als Modell der Oberklasse verkaufen zu können, musste man bei JEP aber noch einen Schritt weitergehen. Metallfelgen und Dunlop-Cord-Bereifung sollten ihn nun auf eine Stufe mit den JEP-Modellen »Rolls Royce«, »Hispano Suiza« und »Renault Tourer« stellen.Doch der Schatten des Delage war noch allgegenwärtig – sogar auf dem Deckelbild der Original-Verpackung. Hinzu kam, dass der »Servo-Pilote« unverändert aus der Delage-Produktion übernommen wurde. Beim »Servo-Pilote« handelt es sich quasi um einen Vorläufer der späteren Fernlenkwelle – für die Zeit um 1930 eine atemberaubende technische Innovation! Die Fernsteuerung erfolgt durch ein in der Hand zu haltendes Lenkrad, das wiederum die Lenkkraft mittels Lenkschnecke über Zahnsegment und Bowdenzug auf das Lenkgestänge und letztendlich auf die Lenkverbindungsstange und die Achsschenkel überträgt.
Nicht nur das Lenken, sondern auch das Schalten des Getriebes mit Vor- und Rückwärtsgang erfolgt mit dem »Servo-Pilote«. Die „Schaltzentrale“ für alle Funktionen ist jedoch das Motor- und Getriebegehäuse. Hier erkennt ein ausgeklügelter Klauenmechanismus die verschiedenen Schaltbefehle und setzt diese in die gewünschten Funktionsabläufe um. Der kraftfahrzeugtaugliche Bowdenzug lässt zudem erahnen, welchen mechanischen Kräften Motor und Getriebe beim Spielen ausgesetzt sind.„JEP – 100 % FRANCAIS“ – ein Werbeslogan, oder etwa nur eine verzweifelte Antwort auf das schon damals übermächtige »Made in Germany«?
Jedenfalls lässt dieser Aufdruck auf der Original-Verpackung die verschiedensten Interpretationen zu. Eindeutiger ist da schon der Hinweis „LES PLUS ROBUSTES“. Ja, die Verarbeitung war sehr solide und auf lange Haltbarkeit ausgelegt, zumindest was die großen JEP-Modelle ab 45 cm Länge betrifft.Die Oberfläche der 55 cm langen Original-Verpackung bot aber noch genügend Platz für weitere Werbe-Botschaften, und bei JEP wusste man den zu nutzen. Das damals aktuelle Spielwarensortiment ist auf der Verpackung in Form von Risszeichnungen zu sehen: Flugzeuge, Schiffe, Autos, Eisenbahnen, Gewehre, Kreisel, Rollschuhe und Spielzeug für Mädchen.
Die Verpackung als Werbeträger für andere Spielwaren war auch bei deutschen Herstellern wie Arnold, Seidel und Kellermann gängige Praxis, allerdings erst 30 Jahre später.Das Deckelbild der Verpackung wurde jedoch nicht aktualisiert, was vielleicht daran gelegen haben kann, dass Robert Benoist im Jahre 1927 mit einem Delage-Rennwagen Weltmeister wurde. Somit blieb der Delage für JEP immer das Vorzeige-Modell, mit dem man große Umsätze erzielen konnte.