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Das arme Luder Drucken
Geschichte vom armen Luder

Luder

Winter 1945. Eine Mutter aus Königsberg, deren Mann im Krieg gefallen war, flüchtete im bitterkalten Frühjahr mit ihrer achtjährigen Tochter und ihrem zwölfjährigem Sohn vor den Russen in Richtung Westen. Es war schlimm, das kleine Häuschen, das ihr Mann gebaut hatte im Stich zu lassen.

 

Die Nachbarn nahmen sie mit einigen wenigen Habseeligkeiten auf einem Pferdefuhrwerk mit auf dem Weg über das kurische Haff. Eines Morgens bemerkte das achtjährige Mädchen, dass ihre Puppe, die sie von ihrem Vater geschenkt bekommen hatte, verloren war. Sie war untröstlich und weinte bitterlich. Ihr großer Bruder machte sich arglos und von niemandem bemerkt auf, um die Puppe zu suchen.

 

Als die Mutter sein Verschwinden bemerkte war sie entsetzt, dass der Junge wegen einer Puppe, die 1,25 RM gekostet hatte sein Leben aufs Spiel setzte. Die Nachbarn hielten die aufgebrachte Mutter davon ab, nach dem Kind zu suchen.

 

Es vergingen vier schlimme Tage und Nächte. Der Treck begab sich durch eine Allee und musste anhalten, weil eine Militärkolonne passieren wollte. Einer der Lastwagen stoppte plötzlich und der verlorene Junge sprang freudestrahlend mit der Puppe im Arm aus dem Fahrerhaus. Alle lachten und weinten sie waren wieder beieinander – die Mutter, ihre zwei Kinder und die Puppe.

 

Nach einer langen Odyssee kam die Familie schließlich in Korbach unter. 1952 verstarb das Mädchen an einer Lungenentzündung, der Junge soll nach Amerika ausgewandert sein, ohne noch einmal von sich hören zu lassen.

 

Das arme Luder aber ist im Besitz der Mutter geblieben, bis sie aus Altersgründen in ein Pflegeheim umziehen musste. Damit die Puppe, die ihre äußerliche Schönheit schon lange verloren hatte, nicht achtlos fortgeworfen werden würde, hat die Frau aus Königsberg sie in gute Hände abgegeben und nun…………